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 Adolph KolpingLeitbildWorte zur hl. Messe |
Auf Sand gebaut
  Diese Redensart verheißt nichts Gutes. Da wollte jemand etwas Großes, vielleicht sogar etwas ganz Besonderes ins Werk setzen. Aber er ist mit seinem Plan gescheitert. Er hat nicht gründlich genug nachgedacht, und das im wortwörtlichen Sinne. Er hat sein Vorhaben auf einen schlechten und unsicheren Grund gesetzt. Und Hoffnung allein reicht da nicht aus. Es braucht immer auch eine gediegene und risikobewusste Kalkulation. Luftschlösser mögen im Traum recht schön sein. Sie eignen sich aber nicht zum Bewohnen.

Auf Sand gebaut! Bibelkundige Menschen denken dabei an ein Wort Jesu. Es lautet: „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute…Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört“ (Mt 7, 24.26 f).

Mit dieser gleichnishaften Rede will uns Jesus ermutigen, uns voll und ganz auf Gott zu verlassen. Er ist wie ein Fels, den nichts und niemand erschüttern kann. Davon wissen die Psalmen ein Lied zu singen. Etwa der Psalm 18: „Ich will mich rühmen, Herr, meine Stärke, Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge, mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht“ (2, f).
Diese Worte sind voller Erfahrung mit einem Gott, der das Volk Israel so wunderbar durch mancherlei Not und Bedrängnis begleitet und in die Freiheit des Gelobten Landes geführt hat. Er ist ein rettender und erlösender Gott, der sich für uns Christen in Jesus von Nazaret als solcher geoffenbart hat.

An den Gott und Vater Jesu Christi glauben, ist und bleibt immer auch ein Sprung ins Ungewisse. Und doch ist bei allem Zweifel die Gewissheit größer und stärker, dass wir aufgefangen werden. Wir sollten einander von solchen Glaubenserfahrungen erzählen! Denn das macht anderen Mut, es auch selbst mit diesem Gott zu wagen! Bestärkt werden wir durch viele mutige Zeugen des Glaubens, die selbst in Todesangst bekannt haben: „Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“ (Alfred Delp). Oder Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag!“ Welch´ ein Bekenntnis angesichts ihrer Hinrichtung durch die Schergen des Naziregimes! Eine Provokation und Mutmachung zugleich – für uns Christen heute!

Msgr. Alois Schröder
Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland
   

 
Fahrt ins Blaue
  Gewiss, eine Fahrt ins Grüne, die wäre jetzt, da der Mai ins Haus steht, passender und zeit-gemäßer. Eine Fahrt ins Blaue allerdings ist unabhängiger von Jahreszeiten, auch von Wind und Wetter. Sie kann immer sein, wenn und wann immer wir es wollen, wenn uns danach ist. Ist sie doch eine Fahrt mit ungenanntem und unbekanntem Ziel.
Was aber reizt und treibt uns an, uns auf den Weg zu machen, einfach loszufahren, ohne genau zu wissen und zu planen, wohin die Reise gehen soll? Vielleicht ist es das, was jedem Menschenherz eingestiftet ist: Die Sehnsucht nach dem weiten Himmel und dem endlosen Meer. Das Blau des Himmels, das Blau des Wassers – wer beginnt da nicht zu träumen, wenn wir es in den Blick nehmen? Weite und Unendlichkeit, das fasziniert und lockt uns an. Wen wundert´s, dass da jemand versucht sein könnte, das Blaue vom Himmel herunter zu lügen?
Blau – die Farbe des Himmels, die Farbe des Göttlichen und der Götter. Gott, unser Gott – Inbegriff unserer menschlichen Sehnsucht, Ziel unserer Lebensreise, auch nicht immer eindeutig und klar, irgendwie auch eine Fahrt ins Blaue. Ein Text von Nelly Sachs bringt´s auf den Punkt, wenn sie sagt:
„Der blaue Himmel,
das endlose Band einer Straße –
der Mensch sieht ein Sinnbild des Lebens darin.
Immer ist im Herzen Raum
für mehr, für Schöneres und Größeres.
Immerfort sich hinstrecken
auf ein Kommendes –
das ist des Menschen Größe und Not.
Sehnsucht nach Verstehen,
nach Freundschaft, nach Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärker auf:
dass es so bleibe,
dass es nicht vorübergehe.
Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott,
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,
dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
dich gefunden zu haben.“

Msgr. Alois Schröder
Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland
   

 
Rot sehen !
  Wer von uns könnte nicht von solchen Situationen erzählen, in denen wir rot gesehen haben, wo die Pferde mit uns durchgegangen sind. Da konnten wir – vermeintlich – nicht anders, als ungehalten zu sein und außergewöhnlich zu reagieren. So, wie es normalerweise nicht unsere Art ist. Da hat uns etwas oder jemand geärgert, provoziert oder verletzt, sodass es zu einem emotionalen Ausbruch kam. Wut-entbrannt, das ist wohl das richtige Wort. Rot wie Feuer, so kochte und brodelte es in uns.

Wenn es um etwas sehr Persönliches geht; um etwas, was uns lieb und teuer, hoch und heilig ist; wenn uns darin jemand zu nahe tritt, unser Ehrgefühl, unsere persönliche Überzeugung oder auch allgemeingültige Grund- und Wertvorstellungen verletzt, dann dürfen wir durchaus etwas lauter und deutlicher werden. Vielleicht gibt´s dazu im Einzelfall sogar eine Pflicht! Und sollte unser „heiliger Zorn“ jemand verletzt haben, dann fällt uns kein Zacken aus der Krone, wenn wir uns entschuldigen und Besserung geloben!

Auch Jesus muss wohl manches Mal rot gesehen haben. Und das nicht ohne Grund. Etwa in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten wegen ihrer Selbstgerechtigkeit und Herzenshärte. Oder in der überaus heftigen Zurechtweisung des Petrus, der sich mit der Vorstellung von einem leidenden Messias keineswegs anfreunden wollte. „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen!“ (Mt 16, 23). Und „unwillig“ wurde Jesus, als die Jünger versuchten, Mütter mit ihren Kindern von Jesus fern zu halten (vgl. Mk 10, 13-16). Und wie sehr muss Jesus rot gesehen haben, als er die Händler und Verkäufer aus dem Tempel trieb, weil sie diese Stätte des Gebetes zu einer Räuberhöhle machten (vgl. Mk 11, 15-19)!

Aus meinem Wissen um den sel. Adolph Kolping vermute ich, dass auch er kräftig zulangte, anderen den Marsch geblasen und auch Denkzettel verteilt hat, wenn er sich dazu gedrängt und veranlasst sah. Zwei seiner Worte mögen uns Hilfe und Orientierung sein: „Darf ich deshalb schweigen, weil die Wahrheit weh tut?“ Und: „Zum Schmeicheln habe ich das Zeug nicht, zum Wahrheitsagen den Beruf.“

Msgr. Alois Schröder
Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland
   

 
Mit anderen Augen sehen
  Dir werden die Augen noch aufgehen! Solche Worte sind wie eine Warnung, in der Erziehung von und im Umgang mit Heranwachsenden durchaus praktiziert. So nach dem Motto: Wer nicht hören kann, muss fühlen. Vergleichbar dem Sündenfall von „Adam und Eva“. Ihr Ungehorsam gegenüber Gott sollte fatale Folgen haben. Wir lesen auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift: „Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren“ (Gen 3,7). Sie mussten erkennen, wie arm und erbärmlich sie dran waren ohne die Freundschaft und Nähe Gottes.

Und ich denke auch an die Emmausjünger (vgl. Lk 24,13 ff). In ihrer Trauer und Enttäuschung waren sie „wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn (Jesus) nicht erkannten.“ Als aber Jesus in ihrer Mitte das Brot brach, „gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.“ Am Teilen des Brotes, dem Zeichen der Liebe, erkannten sie Jesus, den auferstandenen Herrn.

Die Liebe macht sehend! Der wirklich Liebende sieht mehr und sieht tiefer! So sagt ’s der Fuchs im „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry: „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Diese tiefe Lebensweisheit lässt mich an ein Wort aus dem 1. Korintherbrief denken: „… was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (2,9).

Ja, wenn wir in der Liebe zu Gott und zu den Menschen wachsen und reifen, werden uns die Augen aufgehen, wenn wir sie für diese Welt einmal geschlossen haben! Wir werden Gott von Angesicht zu Angesicht schauen dürfen (vgl. 1 Kor 13,12). Denn dann verbindet uns die ewige Liebe zueinander.

Eine Trost- und Hoffungsgeschichte wollen folgende Worte sein:

„Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“ fragte ich. „Selbstverständlich!“ sagte sie nachdrücklich. „Der Tod ist nichts weiter als ein Gang von einem Raum in den anderen.“
Wir saßen schweigend da. Die Hitze und der schwere Duft der Blüten machten uns schläfrig. Auf einmal sprach Helen wieder. Langsam und sehr bestimmt sagte sie: „Aber für mich gibt es da einen Unterschied. Denn in dem anderen Raum – da werde ich sehen können!“

(Die blinde Helen Keller im Gespräch mit Lilli Palmer)

Msgr. Alois Schröder
Bundespräses
   

 
Verwalter, nicht Herr!
  Seitdem es uns Menschen gibt, haben wir immer wieder den Auftrag Gottes, über die Erde zu herrschen (vgl. Gen 1, 26 ff), gründlich missverstanden. Dieser Auftrag ist an die Aussage von der Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen gebunden. Wir sind Gottes Abbild und als solche sollen wir seine Stellvertreter auf Erden und Verwalter seiner Schöpfung sein. Der Auftrag zu diesem Dienst ist Teil unserer Wesensbestimmung zum Abbild Gottes. Darauf ruht der Segen des Schöpfers.

Der Auftrag zum „Herrschen über die Erde“ ermächtigt uns zur Verantwortung für die Welt, zu ihrer verantwortlichen Nutzung und Weiterentwicklung. „Den Menschen hast du nach deinem Willen geschaffen und ihm die Sorge für die ganze Welt anvertraut. Über alle Geschöpfe sollte er herrschen und allein dir, seinem Schöpfer, dienen“, heißt es im 4. Hochgebet der hl. Messe. Dem Schöpfer dienen wir, wenn wir seine Schöpfung bewahren und positiv ausgestalten. Dann leben und handeln wir als Abbild Gottes!

Gebet:

Allmächtiger Vater,
du bist der Schöpfer der Welt,
du hast alles geschaffen, was ist,
Himmel und Erde,
Licht und Finsternis,
Wasser und Land,
Gestirne und Gezeiten,
Pflanzen und Tiere.
Du hast auch uns Menschen geschaffen,
wir sind deine Geschöpfe.
Du hast uns gesegnet
und uns deine Schöpfung anvertraut.

Wir bitten dich:
Hilf uns, deine Gaben so zu gebrauchen,
dass die Erde bewohnbar bleibt
für kommende Generationen.
Hilf uns, dass wir die Vielfalt der Schöpfung pflegen
zu deinem Lobpreis.
Hilf uns, dass wir Herz und Verstand
richtig einsetzen,
um deine Schöpfung zu gestalten,
bis sie vollendet wird in Herrlichkeit.
Amen.

Msgr. Alois Schröder
Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland